Geschäftsbericht 2017

Portfolio

Die EAA treibt die Abwicklung der übernommenen WestLB-Portfolios zügig voran

Erfolge 2017

  • Kredite und Wertpapiere: minus 6,8 Milliarden Euro oder minus 23%
  • Derivative Finanzprodukte: minus 52,7 Milliarden Euro oder minus 20%
  • Mit rund 14 Mio. EUR Überschuss endet das sechste Jahr in Folge mit schwarzen Zahlen
  • Verwaltungsaufwand wird mit einem Minus von 16% erneut deutlich gesenkt
  • Durch Privatisierung und Outsourcing bei Dienstleistungstöchtern künftige Portfolio-Services abgesichert
  • Erheblicher Risikoabbau durch Abschluss der Rechtsstreitigkeiten um kommunale Zinsswap-Verfahren

Zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres 2017 war das EAA-Portfolio deutlich kleiner und besser als ursprünglich erwartet.

Die Kredite und Wertpapiere im übertragenen Bankbuchbestand wurden inzwischen um insgesamt 85% auf knapp 23 Milliarden Euro reduziert; das Restportfolio ist von überwiegend guter und mittlerer Qualität (Investment-Grade-Anteil: 68%).

Die derivativen Produkte im übernommenen Handelsbestand waren zum Ende des vergangenen Jahres nominal um 81% auf rund 206 Milliarden Euro zurückgeführt. Anders als eine solche immer noch hohe Summe vermuten lässt, sind die Risiken des Portfolios verhältnismäßig gering: 99% der verbliebenen Bestände entfallen auf Zinssicherungsgeschäfte. Deren Marktrisiken sind durch Hedging ausgeschaltet. Die verbliebenen Kontrahenten-Risiken sind sehr begrenzt, weil die Vertragspartner bei über 95% aller Geschäfte Sicherheiten stellen, etwa in Form risikoarmer Anleihen.

EAA-Dienstleisterstrategie

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Stabile Verhältnisse

Die ambitionierten Ziele der EAA gleichgewichtig umzusetzen, verlangt kompetente Mitarbeiter und eine stabile Organisation. Derzeit managen und optimieren 174 Mitarbeiter das Portfolio mit einer Bilanzsumme von rund 49 Milliarden Euro zum 31.12.2017. Dabei wird die EAA als Steuerungseinheit maßgeblich von zwei spezialisierten Dienstleistern unterstützt.

Doch: Je erfolgreicher die EAA ist, desto eher wickelt sie sich auch selbst ab. Während Erfolg im Unternehmen Stellen sichert, ist er bei einer Abwicklungsanstalt mit Stellenabbau verbunden. So ist es eine zentrale Führungsaufgabe, das nötige Know-how auch für die Abwicklung des Restportfolios zu sichern. Dazu hat die EAA ihre Strukturen und Prozesse auch 2017 weiter optimiert: Die Privatisierung ihrer Portfoliomanagement-Tochter EPA – heute Mount Street Portfolio Advisors – wurde abgeschlossen. Bei der für IT- und Operations zuständigen EFS wurden umfassende Outsourcing-Maßnahmen realisiert.

Beide Schritte sind mit Dienstleistungsvereinbarungen verknüpft, die auch die in der Zukunft notwendigen Services für das EAA-Portfolio absichern. Zugleich haben die Maßnahmen ehemaligen Beschäftigten der EAA-Gruppe neue berufliche Perspektiven im privatwirtschaftlichen Umfeld eröffnet.

Rechtsstreitigkeiten mit Kommunen beendet

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Massiver Risikoabbau

Die EAA hat die Vergleichsverhandlungen mit Kommunen, die Beratungsfehler bei Zinsswapgeschäften mit der ehemaligen WestLB geltend machten, 2017 sehr erfolgreich vorangetrieben. Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres konnte so auch der letzte noch offene Rechtsstreit durch Vergleich beendet werden. Verhandlungen mit 52 kommunalen Vertragspartnern der ehemaligen WestLB sind damit abgeschlossen. Die Einigung stellt einen Meilenstein beim Abbau der WestLB-Altlasten dar und bringt die EAA dem Ziel eines schnellen und wertschonenden Risikoabbaus erheblich näher.

Das Zinsswap-Portfolio der einstigen Landesbank war 2012 auf die EAA übertragen worden, die in der Folge auch die Zuständigkeiten für alle Rechtsstreitigkeiten übernehmen musste. Möglich wurden die außergerichtlichen Einigungen, weil die EAA nach einigen für sie negativen Urteilen in erster und zweiter Instanz mehrere Verfahren vor den Bundesgerichtshof (BGH) gebracht hatte, dessen Entscheidungen die Position der EAA stärkten. Im Ergebnis ist keines der zunächst gegen die EAA ergangenen Urteile rechtskräftig geworden.

Aus Sicht der EAA haben die Vergleiche angesichts der Rechtsprechung für einen fairen Interessenausgleich zwischen den Kommunen und der EAA sowie ihren Haftungsbeteiligten gesorgt. Durch die Einigung vermeiden die Streitparteien zudem zahlreiche weitere Verfahren vor Oberlandesgerichten in Nordrhein-Westfalen und erhebliche zusätzliche Verfahrenskosten.

Mit Abschluss der kommunalen Zinsswap-Verfahren konnte die EAA ein Schadenpotenzial in Milliardenhöhe abbauen. Die angefallenen Verluste waren weitgehend durch zuvor getroffene Risikovorsorge gedeckt und wurden darüber hinaus im Handelsergebnis 2017 verarbeitet.

Angekündigt und umgesetzt

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 hat die EAA zahlreiche langfristig angelegte Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich abschließen können. Wichtige Fortschritte erzielte sie auch bei der Abwicklung ihres Beteiligungsportfolios. Wesentliche, operative Beteiligungen, die auf die EAA übertragen wurden, sind damit verkauft, finanzielle und operative Risiken entschärft.

Beim Abbau von Beteiligungen und Kreditengagements hat die EAA in erheblichem Umfang Werte gesichert beziehungsweise Wertaufholungspotenziale gehoben. Kursgewinne aus Wertpapieren und Gewinne aus Beteiligungsverkäufen führten 2017 noch einmal zu einem verbesserten Ergebnis aus Finanzanlagen und Beteiligungen.

Restrukturierung notleidender Kredite

Die EAA benötigt eine Vielzahl von Spezialisten mit guten Kenntnissen unterschiedlicher Industrie-Branchen oder internationaler Märkte. Insbesondere die Entscheidung über Restrukturierungsmaßnahmen und deren praktische Umsetzung erfordert Spezialisten mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit notleidenden Engagements. Um zum Erfolg zu gelangen, nutzte die EAA darüber hinaus auch das Know-How von Managern mit Erfahrungen in der Vermögensverwaltung oder in der Private-Equity-Branche.

Was lange währt … – Beharrlichkeit rettet Millionen

Das Engagement: 2001 hatte die ehemalige WestLB zusammen mit einer weiteren Bank die Finanzierung medizintechnischer Anlagen bei einem deutschen Mittelständler übernommen. Sie stellte knapp die Hälfte eines Kredits in zweistelliger Millionenhöhe.

Schon 2007 geriet das Unternehmen jedoch in Turbulenzen und in der Folge kündigten die Banken die Kreditverträge. Es kam allerdings nicht zu Verwertungsmaßnahmen, da sich die beteiligten Banken aufgrund einer komplexen Gesamtkonstellation nicht über Lösungsansätze verständigen konnten. 2012 wurde der Kredit wertberichtigt auf die EAA übertragen.

Das Problem: Den Experten der EAA war schnell klar, dass der Mittelständler ohne neuen Investor und ohne Kooperationspartner langfristig keinen Erfolg haben und seine alten Verbindlichkeiten nicht begleichen würde. Daher begleitete die EAA die Suche nach neuen Investoren auf kooperativer Basis. Am Ende sperrten sich aber einzelne Gesellschafter auf Seiten des Schuldners. Vollstreckungsmaßnahmen waren auch weiterhin durch den Konsortialpartner blockiert.

Die Lösung: Die EAA bewies in diesem Fall, dass sie einen langen Atem hat und entschloss sich zuletzt, die Suche nach einer Investorenlösung auch gegen Widerstände zu begleiten. Nach Jahren beharrlicher Gespräche mit Beratern, Interessenten und Stakeholdern des Unternehmens eröffnete sich 2017 die Option zum Verkauf der Kreditforderung an einen Investor mit Fortführungskonzept für das Unternehmen. Ergebnis: Die EAA erzielte zehn Jahre nach Kreditkündigung einen außerordentlichen Ertrag von rund neun Millionen Euro – aus einer bereits von der WestLB fast vollständig abgeschriebenen Forderung.

Detaillierte Prüfung zahlt sich aus – langwierige Restrukturierung auf der Zielgeraden

Das Engagement: Die ehemalige WestLB beteiligte sich im Jahr 2008 an einem syndizierten Kredit für ein westeuropäisches Entsorgungs- und Versorgungsunternehmen. Ihr Kreditanteil betrug etwa 50 Millionen Euro, im Kreis der finanzierenden Banken gehörte sie damit zu den Minderheitsgläubigern.

Das Problem: Eine ungünstige Marktentwicklung, hohe Schulden und operative Schwächen brachten das Unternehmen 2012 in Turbulenzen. Vieles sprach in der Konstellation für einen schnellen Verkauf: Es drohte die Insolvenz der Gesellschaft. Der Sitzstaat hielt rund ein Drittel des Unternehmens und diese Dominanz galt mit Blick auf die Gläubigerinteressen als zusätzlicher Nachteil. Ein Notverkauf hätte jedoch zum Verlust von gut 60 Prozent der Kreditsumme geführt.

Die Lösung: Die EAA Manager entschlossen sich nach eingehender Analyse der Überlebenschancen des Unternehmens gegen einen schnellen Verkauf der Forderung und für eine aktive Rolle in Restrukturierungsverhandlungen. Gemeinsam mit anderen Kreditgebern arbeiteten sie einen Sanierungsplan aus. Der beinhaltete die Übernahme des kompletten Unternehmens. Unter neuem Management gelang ein operativer Neustart. Für die EAA erweist sich dieser Weg fünf Jahre später als sehr erfolgreich: Sie verkaufte inzwischen eine im Rahmen der Restrukturierung übernommene Mezzanine-Finanzierungstranche (spezielle Kreditvereinbarung, die Merkmale von Fremd- und Eigenkapital verbindet) und erzielte Mehrerlöse durch relativ hohe Zinsleistungen des Unternehmens. Zusätzlich sind ihr vorrangige Kredite in Höhe von 28 Millionen Euro geblieben, deren Wert sich bereits nahe 100 Prozent bewegt. Spätestens im nächsten Jahr können sie komplett zurückgeführt werden. Unter dem Strich sichert die Entscheidung für die komplexe Restrukturierung damit Rückflüsse von nahezu 100 Prozent und verhindert – im Vergleich zu einem frühen Verkauf der Forderung – Verluste in einer Größenordnung von 30 Millionen Euro.

Die Weichen richtig gestellt – zähes Ringen um dreistelligen Millionenbetrag zeigt Erfolge

Das Engagement: Die ehemalige WestLB beteiligte sich 2006/2007 mit insgesamt mehr als 100 Millionen Euro an der Finanzierung von zwei Kraftwerksgesellschaften und ihrer Holding in Südeuropa.

Die Risiken des Engagements stiegen in der Folgezeit deutlich an. Kurz nachdem die Übertragung des Kredits auf die EAA vollzogen war, beantragten die Kreditschuldner ein erstes Zahlungsmoratorium für ein Finanzierungsvolumen von insgesamt rund zwei Milliarden Euro. Das Tauziehen um einen Rettungsplan begann.

Das Problem: Da die operative Performance der Kraftwerksgesellschaften sowie der gesamten Gruppe zu schwach war, scheiterte trotz Einschaltung diverser Berater ein erster Restrukturierungsversuch des Unternehmens schnell und kläglich. Unter anderem war hierbei vereinbart worden, dass die Gläubigerbanken einen Teil ihrer Kreditforderungen in Eigenkapital umwandelten (Debt-Equity Swap). Für die EAA folgte daraus eine Abschreibung von mehr als 20 Millionen Euro. Anfang 2016 kam es aber erneut zum Zahlungsmoratorium, da die Businesspläne in allen Unternehmensteilen klar verfehlt wurden.

Die Lösung: In dieser Situation setzte sich die EAA vehement dafür ein, die Umgestaltung erneut anzuschieben und professioneller anzugehen. Sie übernahm als größter ausländischer Gläubiger eine Rolle im Steering Committee und sorgte unter anderem für eine bessere Corporate Governance und aussagefähige Reportings. Um zugleich Druck für eine schnelle Lösung zu erzeugen, setzte sie eine Vereinbarung durch, die es den Kreditgebern erlaubt, ihre Forderungen zu verkaufen, sofern vereinbarte Ziele nicht fristgerecht erreicht werden. Ende 2017 wurde eine Umstrukturierung der diversen Kredittranchen durchgesetzt. Dies sorgte bei der EAA im ersten Schritt für Rückflüsse von 36 Millionen Euro und ermöglichte es ihr inzwischen, 20 Millionen Euro an Risikovorsorge aufzulösen. Zugleich hat sich die Lage der Kraftwerksgesellschaften und ihrer Unternehmensgruppe insgesamt erheblich verbessert: Dazu trugen die Marktentwicklung, Kostendisziplin bei den Unternehmen sowie eine Anpassung des Geschäftsmodells unter neuem Management bei. Die Aussichten auf Rückzahlung des verbliebenen Kreditengagements der EAA in Höhe von 86 Millionen Euro sind nachhaltig gestiegen. Angesichts einer anhaltenden Konsolidierungswelle im europäischen Energiemarkt sieht die EAA gute Chancen für den Einstieg neuer Investoren oder einen Börsengang der Kraftwerksgesellschaften. Damit eröffnen sich Optionen für einen Ausstieg aus dem langfristig angelegten Kreditengagement, deutlich vor dessen Fälligkeit.

Abbau wichtiger Beteiligungen

Der EAA wurden mehr als 320 Beteiligungen – 120 direkte und etwa 200 indirekte – übertragen. Die Bandbreite reichte von Kreditinstituten über Private-Equity-Gesellschaften bis zu Business Schools.

Zur Steuerung des großen in- und ausländischen Beteiligungsportfolios, das regional und hinsichtlich der Branchen und Beteiligungsbuchwerte breit gestreut ist, sind Spezialisten für Verkäufe, Betriebsübergänge oder die Ausgliederung und Abspaltung von Unternehmensteilen gefragt. Die Beteiligungsmanager der EAA konzentrieren sich darauf, insbesondere operative Beteiligungen und andere größere Engagements mit hohem Steuerungsaufwand beschleunigt abzuwickeln, um Risiken nachhaltig zu reduzieren.

Zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres standen noch 120 Beteiligungen zu Buche, 63 direkte und 57 indirekte. Im Jahr 2017 hat die EAA allein 20 direkte Beteiligungen abgewickelt, der größte Teil wurde verkauft, einige liquidiert oder verschmolzen. Dabei konnten teils erhebliche stille Reserven gehoben werden – etwa beim Abbau von Engagements im Rahmen der Schließung der EAA Japan K.K., dem Verkauf der Beteiligung an der Concardis GmbH, der Verwertung von Ansprüchen zugunsten der WestLB Asset Management US LLC sowie der Auflösung von komplexen Strukturen bei der WestLeasing Westdeutsche Leasing Holding GmbH.

Auch die Verträge zur Veräußerung der EAA Covered Bond Bank (EAA CBB) wurden bereits im Jahr 2017 unterzeichnet. Allerdings steht die Zustimmung der Aufsichtsbehörden noch aus, die Übertragung auf den privaten Investor konnte daher noch nicht vollzogen werden. Bei der EAA CBB handelt es sich um die letzte größere Beteiligung der EAA mit operativem Geschäftsbetrieb, deren Steuerung in der Verantwortung der EAA liegt. Daher reduziert ihre Abwicklung neben finanziellen in erheblichem Maße auch operative Risiken.

Portfolio 2018 – Die Ausgangslage

Der Handelsbestand besteht maßgeblich aus Zinsderivaten mit einem Nominalvolumen von rund 203 Milliarden Euro und einem Anteil von rund 99 Prozent.

Das verbliebene Bankbuchportfolio von knapp 23 Milliarden Euro setzt sich aus Krediten und Wertpapieren zusammen:

  • Im Kreditportfolio, das Ende des vergangenen Jahres noch Engagements von knapp 11 Milliarden Euro nominal umfasste, bilden Positionen im Energiesektor, überwiegend Finanzierungen von großen Kraftwerksprojekten, mit konventionellen wie auch alternativen Energieträgern, einen Schwerpunkt.
  • Die strukturierten Kredite hatten zu Jahresende ein Volumen von knapp 12 Milliarden Euro. In diesem Segment dominieren Engagements, die mit Darlehen am US-Häusermarkt verknüpft sind (65%).
  • Ende 2017 befanden sich handelbare Wertpapiere im Nominalvolumen von 5,5 Milliarden Euro im EAA-Portfolio. Dabei überwiegen mit rund 80 Prozent Staatsanleihen und vergleichbare Titel öffentlicher Schuldner.

Portfolio 2018 – die Perspektive

  • Das aktuelle Restportfolio der EAA wird sich bis 2020 allein durch Fälligkeiten um rund ein Drittel verringern. Das gilt für die Bestände an Krediten und Wertpapieren sowie für die derivativen Produkte im Handelsbestand gleichermaßen.
  • Ein Großteil des aktuellen Restportfolios ist grundsätzlich marktgängig und kann nach umfassender Prüfung von Chancen und Risiken gegebenenfalls beschleunigt abgebaut werden.
  • Wichtige Positionen im verbliebenen Portfolio haben Restlaufzeiten von mehr als zehn Jahren und sind voraussichtlich nur mit überhöhten Abschlägen vorfristig abbaubar. Nach bereits erfolgter Restrukturierung können sie im Rahmen eines passiven Managements bis zur Fälligkeit weiter verwaltet werden.
  • Vor dem Hintergrund dieser Portfoliostruktur prüft die EAA derzeit intensiv, ob und wie sie das bisher für 2027 vorgesehene Abwicklungsplanziel vorzeitig erreichen kann.