Geschäftsbericht 2017

Vorstand

Asset-Management in der EAA – Keine vorschnellen Verkäufe zu schlechten Preisen

Die EAA blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2017 zurück. Als wesentliche Erfolgskomponente hat sich das Management von notleidenden Krediten erwiesen.

Christian Doppstadt
Christian Doppstadt
Mitglied des Vorstands

Im abgelaufenen Jahr 2017 hat die EAA zahlreiche langwierige Restrukturierungen von oft sehr komplexen Finanzierungen abgeschlossen. Verkaufschancen, die sich auf Grund des positiven Marktumfeldes ergaben, wurden konsequent genutzt. Das erlaubte es zum Beispiel zuvor gebildete Risikovorsorge mit positivem Effekt für das Jahresergebnis aufzulösen. Ein nachhaltiges stringentes Management von notleidenden Krediten, sogenannten NPL (Non-Performing-Loans) ist elementarer Baustein der EAA-Strategie, um Verluste zu minimieren und Wertaufholungspotenziale zu heben.

Einer der wesentlichen Vorteile im Abwicklungsmodell der EAA liegt dabei im Faktor Zeit. Anders als Geschäftsbanken, die ihr NPL-Portfolio im Rahmen des laufenden Geschäfts oder in einer separaten Geschäftseinheit managen, steht die EAA nicht unter dem Druck, ein NPL sofort zu veräußern. Die Bilanzierung nach HGB, bei der temporärere Wertschwankungen der Engagements nicht unmittelbar auf die Gewinn- und Verlustrechnung eines Jahres durchschlagen, die Befreiung von Vorschriften über Eigenmittel und Liquidität des Kreditwesengesetzes und eine günstige Refinanzierung sind dafür die wesentlichen Gründe.

Die EAA nutzt diese Rahmenbedingungen gerade im NPL-Management, um vorschnelle Verkäufe unter Druck zu schlechten Preisen zu vermeiden. Stattdessen fokussiert sich ihr NPL-Management insbesondere auf die Restrukturierung von Krediten, mit dem Ziel, Werte zu steigern. Anschließend geht es darum, entweder die Refinanzierung oder Rückzahlung zu realisieren, oder einen geordneten Verkauf durchzuführen.

Der Restrukturierungsprozess setzt in der EAA dabei wesentlich früher an als in einer klassischen Geschäftsbank. Die Bereiche „Performing Loans“ und „Non-Performing-Loans“ sind enger verzahnt. Schon bei ersten Anzeichen für eine Verschlechterung der Kreditqualität werden erfahrene Restrukturierer in den Assetmanagementprozess einbezogen. Sie prüfen, ob ein sofortiger Verkauf der Position angezeigt ist oder gezielte Restrukturierungsmaßnahmen eine bessere Erlösquote versprechen.

Eingespielte Prozesse

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Die schnelle und flexible Reaktion verlangt stringente eingespielte Prozesse an deren Anfang die schnelle Bildung von „Work-Out-Teams“ unter Einbindung weiterer Spezialisten, etwa Juristen, steht. Die Arbeit beginnt mit der Statusaufnahme der Work-Out-Situation, sie ermöglicht die schnelle Analyse im Hinblick auf zu ergreifende Maßnahmen. Dazu gehören die Prüfung bestehender Verträge, Sicherheiten und Spezifika der rechtlichen Rahmenbedingungen in dem Land, in dem der Vermögenswert liegt. Zu klären ist etwa, welche Schritte rechtlich durchsetzbar sind. Ebenso muss analysiert werden, wie sich die Maßnahmen auf das gesamte Portfolio auswirken. Dazu gehört es auch zu klären, ob die EAA über alle erforderlichen Fachkompetenzen verfügt oder umgehend externe Fachleute aus dem bestehenden Netzwerk mandatiert werden müssen. Daran schließt sich die detaillierte Festlegung nächster Schritte und Meilensteine an.

Breites Know-How

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Die EAA verfügt über Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit langjähriger Erfahrung, entsprechender Seniorität und breitem Produkt-Know-How. Sie arbeiten mit den Portfoliomanagern der Mountstreet Portfolio Advisors GmbH – bis 2017 eine Dienstleistungstochter der EAA – zusammen, die vor allem für die nötige Präsenz an ausländischen Standorten sorgen. Dieses Know-How und diese Arbeitsteilung sind Schlüsselfaktoren für den Erfolg. Dadurch ist die EAA in der Lage, ständig wechselnde Herausforderungen eines breit diversifizierten internationalen Portfolios zu meistern, die in der Praxis von in Schieflage geratenen Flugzeugfinanzierungen, über die Auswirkungen nachträglich geänderter Subventionen für Solaranlagen in Südeuropa bis zur Frage nach der Sanierungsstrategie für ein Erdölexplorationsschiff in Südamerika reichen können.

Anders als NPL-Manager in einer Geschäftsbank verfügt der NPL-Manager in der EAA über höhere Freiheitsgrade. Da die EAA kein Neugeschäft generiert, müssen die Verantwortlichen keine möglichen Auswirkungen auf die gesamte Geschäftsbeziehung zu einem Kunden mit ins Kalkül ziehen. Das ermöglicht es oft, eine aktivere Rolle in Restrukturierungsverhandlungen einzunehmen und eröffnet ein breiteres Spektrum an Verhandlungsstrategien. Beispielhaft sei die „Hold-Out“ Strategie genannt. Sie bietet etwa bei Konsortialfinanzierungen, die mit dem Zwang zur einstimmigen Entscheidung der beteiligten Banken verknüpft sind, Chancen die eigenen Verhandlungspositionen, etwa die Forderung nach frühzeitiger Rückführung des eigenen Kreditanteils, durchzusetzen.

Zügiger Abbau von Risikopositionen

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Wesentliche Erfolgsfaktoren für die zügige Abwicklung von Problem-Engagements im Überblick:

  • Aktive Kommunikation: Vertragspartnern bewusst machen, dass die EAA als Abwicklungsinstitut allein auf Rückzahlung eines Kredits fokussiert ist und jegliche Möglichkeit nutzen wird, eine frühzeitige Rückzahlung zu erwirken.
  • Priorisierung und aktives Management: Fokussieren auf Engagements mit hoher möglicher Relevanz für die Gewinn- und Verlustrechnung eines Jahres (z.B. über eine ABC-Analyse).
  • Datenverfügbarkeit und Datengüte: Um schnell agieren und umgehend geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, müssen alle erforderlichen Daten schnell und in hoher Güte verfügbar sein. Standardisierte Status-Reports helfen, eine schnelle Übersicht über die Situation zu erhalten.
  • Schnelles Einsetzen externer Fachleute, sofern notwendig, durch ein umfangreiches Netzwerk. Gegebenenfalls aktives Eintreten in Steering Committees, um Bedingungen einer Restrukturierung besser mitgestalten zu können.
  • Klare Haltung und Zielsetzung über alle Prozessbeteiligte hinweg.

Das Modell EAA –
oder: Die Option zu warten

Auch wenn die EAA die Haftungszusagen ihrer Beteiligten nicht in Anspruch nehmen will – und dies aus heutiger Sicht auch nicht muss – so sind sie doch Basis des bisherigen Erfolgs. Denn die Verlustausgleichspflicht verschafft der EAA die Möglichkeit, am Kapitalmarkt zu guten Konditionen Geld aufzunehmen.

Horst Küpker
Horst Küpker
Mitglied des Vorstands

Die EAA ist wirtschaftlich und organisatorisch selbstständig, das heißt unter anderem, dass sie auch ihre Refinanzierung selbst plant und mit eigenen Emissionen am Kapitalmarkt umsetzt. Durch die gesetzlich verankerten Haftungszusagen ihrer Beteiligten verfügt die EAA über eine sehr gute Bonität und über erstklassige Ratings.

Auf dieser Grundlage kann sie sich am Kapitalmarkt günstiger finanzieren als etwa private Banken, sogar günstiger als etliche europäische Staaten. Darin liegt ein wesentlicher Vorteil, den sich die EAA für die Abwicklung zunutze macht. Unter Kaufleuten heißt es: „Der Gewinn liegt im Einkauf“. Bei Geldhäusern stellt die Refinanzierung die Einkaufsebene dar, Kredite und andere Finanzprodukte die Verkaufsseite.

Dabei ist die Refinanzierungsstrategie der EAA risikominimierend angelegt. Ihr Kapitalmarktauftritt ist so ausgerichtet, dass sie jederzeit damit rechnen kann, die erforderlichen Mittel von institutionellen Investoren zu beschaffen. Erst das macht es zum Beispiel möglich, langfristig angelegte Management-Strategien umzusetzen oder Risikopositionen so lange zu halten, bis ein optimaler Marktpreis zu erzielen ist. Wer sich am Kapitalmarkt teuer refinanzieren muss, kommt nicht in den Genuss einer solchen „Option zu warten“.

Seit Beginn ihrer operativen Tätigkeit konzentriert sich die EAA darauf, aus ihrer Mitgift an den internationalen Kapitalmärkten das Beste zu machen. Mittel zum Zweck: Ein Emissionsprogramm, das gleichermaßen den Bedürfnissen relevanter Investoren entspricht und das die Flexibilität bei der Steuerung von liquiden Mitteln der EAA erhält. Das Liquiditätsmanagement ist dabei ein zentrales Instrument, um dem Rückgriff auf Haftungszusagen der Beteiligten vorzubeugen, das heißt letztlich öffentliche Haushalte zu schützen.

Die Investorenbasis

Um ihre Ziele zu erreichen, hat die EAA von Beginn an daran gearbeitet, ihren Investorenkreis möglichst breit und nachhaltig anzulegen. Dabei galt es, den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Heute gehören zahlreiche Zentralbanken und supranationale Institutionen zu den regelmäßigen Investoren in Emissionen der EAA.

Hinzu kommen Banken, die Anleihen der EAA wegen des Risikogewichts von Null kaufen. Beim Kauf von EAA Anleihen wird kein Eigenkapital gebunden.

Auch Fondsmanager und andere institutionelle Investoren nutzen die Emissionen der EAA für risikoarme Strategien. Geografisch erstreckt sich die Investorenbasis von Amerika über Europa und Afrika bis nach Asien. Die EAA konzentriert sich heute auf großvolumige Anleihen in Euro oder Dollar mit Laufzeiten bis zu drei Jahren. In Laufzeiten bis zu einem Jahr bietet die EAA mit ihrem Commercial-Paper-Programm Anlagemöglichkeiten in Dollar, Euro und Pfund Sterling.

Die Konditionen

Gestützt auf die kontinuierliche Ansprache von Investoren in allen Teilen der Welt und die Kontinuität ihres Emissionsprogramms erzielte die EAA im zurückliegenden Geschäftsjahr Konditionen ähnlich denen des Landes NRW und damit nicht weit entfernt von denen, die Emittenten des Bundes am Markt erzielen.

Der fallende Aufwand bei der Refinanzierung stützt das Zinsergebnis der EAA und hilft wie zuletzt 2017 ein positives Jahresergebnis zu erzielen. Zugleich war die günstige Refinanzierung eine Voraussetzung, um die Restrukturierungen von Projektfinanzierungen oder notleidenden Unternehmenskrediten über drei oder vier Jahre zu verfolgen, die 2017 ebenfalls maßgeblich zum positiven Jahresergebnis beigetragen haben.

Die EAA hatte Ende 2017 mittel- und langfristige Emissionen im Gegenwert von etwa 15 Mrd. Euro am Markt ausstehen. Ihr jährliches Emissionsvolumen in diesem Segment beträgt derzeit 3 Mrd. Euro.